Willkommen auf unserer Homepage
Astro - Treff - Münchner - Norden

 

Ein Nicht - Beobachtungsbericht
von Andreas Müller

Ich kann mich gut entsinnen das es unter Amateurastronomen eine Regel gibt, nachdem der Kauf eines Teleskops prinzipiell vier Wochen Regenwetter nach sich zieht, bei ein oder mehreren Okularen sind es immerhin noch zwei Wochen dichter Bewölkung. Wie gesagt, ich erinnere mich daran, und nach einem Besuch bei Wolfi vor 9 Tagen hatte mir auch Schlimmes geschwant. Mein bescheidenes Anliegen eines 2 Zoll Übersichtsokular nebsts Zenitprisma und neuem Weitwinkelfernglas (habe ich gerade bescheiden gesagt?) wirkte neben den übrigen Verkäufen doch etwas mickrig. Immerhin wurde wärend meiner Anwesenheit ein 10" Dobson verkauft, der Erwerb einer GP-DX mit Skysensor diskutiert, und *explizit* nach einem C14 gefragt. Das war aber gottseidank gerade nicht auf Lager, so das sich die plötzlich eintretende Blässe in meinem Gesicht langsam wieder abbauen konnte.  Wer weiß denn schon ob sich o.g. Regel vielleicht proportional zur erworbenen Öffnung beliebig ausweiten läßt, im Extremfall war der Erfinder vielleicht sogar nur Lidlskope Besitzer. So aber bestand zumindestens Hoffnung auf ein Spechtelerlebnis zum nächsten Neumond - immer noch keine schöne Aussicht, aber was soll man machen.

Wäre es doch bloß so gekommen.

Hätte nie gedacht das ich so etwas mal sagen würde, aber scheinbar ändert sich nicht nur das Wetter, nein, es verhält sich auch noch unfairer gegenüber Hobbyastronomen als wir es schon kennen. Klar, natürlich, wir kennen alle den blitzblanken Tageshimmel der sich pünklich zum Sonnenuntergang zuzieht. Ärgerlich, wohl wahr, aber zumindestens ärgert man sich gemütlich zu Hause. Was aber soll man von einem Wetter halten welches daherkommt wie ein Moderator von 9Live, immer nach dem Motto "kommen sie schon, sie brauchen nur rauszufahren und aufzubauen, der klare Himmel ist in spätestens 15 Minuten da... ...15 Minuten nach den Quellwolken am Horizont meine ich, aber zum SGB ist es ja eh noch eine Stunde Fahrt, los jetzt, HEUTE NACHT, SIE> MÜSSEN ES NUR WOLLEN!!!"

Für den Durchschnittsastronomen sicherlich weniger ein Problem als für den der darauf brennt sein neues Equipment auszuprobieren. Im ersteren Fall wird halt nicht aufgebaut, wärend beim anderen Kollegen selbst die winzigste Wolkenlücke euphorisch empfangen wird. Und das bei einem S eeing welches dem einer dampfenden Reispfanne durchaus ebenbürtig ist. Wobei bei letzerem der Genuß wohl doch etwas intensiver ist, und warscheinlich auch länger anhält. Und um ehrlich zu sein, ganz so schlimm war es letzte Woche denn auch nicht, immerhin hatte ich am Mittwoch Gelegenheit am SGB meine Neuerwerbungen ausgiebig zu testen. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits drei vorangegangene Nächte in den Knochen, so das ein intensives Testprogramm einfach nicht mehr drin war. Immerhin, der Anblick meines "Traumpaares" M81/M2 in zwei Zoll ist schon eine Sünde wert, auch wenn ich dafür an diesem Abend wohl nicht so weit hätte fahren müssen. Aber Gruppenspechteln ist halt mehr als nur gemeinsam in die Röhre(n) zu schauen, somit kann ich auch diesen Abend trotz vieler Wolken und teilweise miesem Seeing als gelungen abhaken - vielen Dank Roman und Helmut.

Im Übrigen möchte ich bei dieser Gelegenheit mal den Begriff> "Extreme-Spechteling" neu definieren. ich hatte ja schon erwähnt das ich am Mittwoch bereits drei kürzere Nächte hinter mir hatte, und dementsprechend bereits etwas schwächelte. Fünf oder mehr Nächte hintereinander spechteln ist ja keine Kunst wenn man Urlaub hat und am nächsten Morgen ausschlafen kann. Neinein, der sadistisch veranlagte -br> äh, ich meine erfahrene Amateur macht so etwas unter der Arbeitswoche, immerhin möchte ja das Geld für die nächste Nweuanschaffung irgendwo herkommen. Das man in dieser Zeit mehr Zombie als Mensch ist fällt allerdings nicht weiter auf solange man nicht vergisst die firmeneigene Großkaffeekanne nach der letzten Tasse immer schön nachzufüllen. Die Kollegen freuts, und der erhöte Kaffeverbrauch fällt auf diese Weise auch nicht weiter auf. Richtiger Urlaub wird selbstverständlich nur bei Vollmond gemacht, damit die Familie, so vorhanden, auch noch etwas von einem hat.

Wer übrigens denkt das die Aktion am Weinberg Freitag Abend der negative Höhepunkt dieser Woche war, der irrt. Das war einfach nur Pech mit einem, zugegegemenermaßen, recht großen Schuß Arroganz gegenüber einer herannahenden Regenfront, deren tiefschwarze Wolken von untem einem mag 6.5 Himmel alle Ehre gemacht hätten. Ich glaube immer noch das der Versuch es wert war, immerhin hatten wir ganze 30 Minuten lang eine schöne große Wolkenlücke über uns. Man glaubt garnicht in welche Euphorie solch ein Ereignis eine Gruppe von Astronomen versetzen kann. Instinktiv werden dann schnell alle vorhandenen Standardobjekte mit dem Feldstecher abgegrast, bis es wieder zzugezogen ist und man sich erinnert das ja eigentlich Perseiden beobachtet werden sollten...

Aber ich schweife ab, den absoluten Tiefpunkt dieser Woche hatte ich bereits in der Nacht vom Montag auf Dienstag, als sich pünktlich um Mitternacht jemand entschlossen hatte die Flutlichtanlage des dorfeigenen Fußballplatzes zu testen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich es mir gerade auf einem nahegelegenen Feldweg gemütlich gemacht, den Karkoschka auf dem Boden, Roltlichtlampe in der linken und neues Weitwinkelglas in der rechten Hand, über mir ein fast klarer Himmel. Nachdem das Licht anging war davon natürlich nicht mehr viel zu sehen, die Flucht hinter einen nahegelegenen Lärmschutzwall (oder was auch immer dieser grasbewachsene Hügel da ist) hat auch nicht viel geholfen, da mir dort eine nicht weniger helle Straßenlaterne freundlich zuwinkte. Und selbst ohne diese war der Himmel eh so hell wie am Tage, das blieb auch so für die nächsten 20 Minuten, wärend ich mich redlich darum bemühte zumindestens einige Objekte aufzufinden. Das dies sogar erfolgreich war spricht sicherlich für die Qualität des Fernglases (ein TS-10/50WS übrigens), auch wenn es unter diesen Umständen nicht ganz so schön war. Das die Festbeleuchtung justamente erst in dem Augenblick ausging als ich mich bereits fast wieder vor meiner Haustür befand betrachte ich als weitere Gemeinheit des Schicksals.  Ich habe dann zwar noch weitere 15 Minuten hinter dem Haus zwischen diversen Obstbäumen weitergespechtelt, das Wahre ist so etwas allerdings nicht. Eimerseits wird man ständig von Glimmstengel schwingenden Nachbarn beobachtet (Nachts um dreiviertel Eins in Deutschland.....), andererseits wird die sowiso nicht mehr vorhandene Dunkeladaption (es heißt nicht umsonst Flutlichtanlage) durch die zahlreich hinter den Bäumen hervorblinkenden Straßenlaternen noch weiter geschwächt.

Wie gesagt, das alles wäre nicht passiert wenn sich das Wetter an die Regeln gehalten hätte und uns jede Nacht mit einem dichten Wolkenteppich beglückt hätte. Andererseits habe ich diesem komischen Wetter doch einige tolle Objekte abringen können, nicht zu vergessen die beiden Abende am SGB und Weinberg mit jeder Menge interessanter Gespräche. Und letztendlich, worüber hätte ich denn sonst schreiben sollen?

Eine gute Woche wünscht Andreas

Nachtrag: Eine Sache habe ich noch, und zwar betrifft dies eine Aussage von Peter angesichts der aufziehenden Unwetterfront am Freitag, inklusive "eines heftiger Sturms, Windstärke 'Teleskopumschmeiß'".  Es gibt unter Funkamateuren einen Spruch welcher besagt das jede Antenne, welche nicht von den heftigen Stürmen des letzten Winters heruntergerissen wurde, warscheinlich noch nicht groß genug war.  In diesem Sinne fange ich schon mal an zu sparen. Vielleicht auf ein C14? ;-)